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Chronomedizin

Einführung

Wir leben, um ein ernstes Thema mit einem heiteren Wortspiel zu eröffnen, unter der "Diktatur der Ticktack-Uhr".

Mancher will morgens nicht aus dem Bett, andere wollen abends nichts sehnlicher als hinein - aber das Diktat des Weckers, der Stechuhr, der minutengenauen Taktung einer hochentwickelten Gesellschaft zwingt uns unter seine Knute.
Selbst der Sonne schneiden die Uhren, wenn man sie im Herbst zurückstellt, eine Stunde des Abendlichtes ab, die sie ihr im Frühling, wenn man die Uhren vorstellt, als Morgendämmerung wieder ankleben. Das, was diese Uhren messen - manche sagen sogar: erzeugen - ist die äußere Zeit.

Doch es gibt auch eine innere Zeit. In unserem Gehirn, ziemlich genau im Zentrum des Schädels, findet sich eine "lebendige", eine "innere" Uhr. Sie besteht nicht aus Zahnradwerken und Federn, sondern aus ein paar tausend Nervenzellen, deren Aktivität sich rhythmisch verändert.
Diese Nervenzellen erzeugen - ganz von sich aus, ohne dass ein Blick auf die Armbanduhr oder ein Blick auf Dämmerung, Sonne oder Mond dazu nötig wäre - ein inneres Auf und Ab, eine innere Schwingung. Die ist nicht genau, sondern nur in etwa ungefähr tageslang ("circadian"), und bleibt auch dann erhalten, wenn wenn wir uns in einer Umgebung ohne Tag/Nachtwechsel aufhalten (z. B. in einem unterirdischen Bunker).

Der Rhythmus ist selbstgemacht, er ist "endogen", er ist "autonom". Nehmen wir aber Sonne und Mond, den Wechsel von Tag und Nacht wahr, so wird unser endogener circadianer Rhythmus mit diesem Wechsel synchronisiert. Das Wirken unserer inneren Uhr und ihrer (mehr oder minder gelungenen) Anpassung an die Außenzeit ist Teil unserer Alltagserfahrungen:
Die nachmittägliche Nickerchensehnsucht, die Morgenfrische nach der Dusche, die bleierne Müdigkeit dessen, der zu lange wach war, das Fieber des Kranken, das abends stets höher ist als morgens. Und - auch das ist Alltagswissen - die inneren Uhren der Individuen gehen verschieden.

Jedes Individuum hat seinen eigenen Chronotyp. Es gibt die morgenmuffelnde Nachteule, die am liebsten erst dann aufstünde, wenn die morgendliche Lerche schon wieder mit den Hühnern ins Bett gehen will. Und es gibt die goldene Mitte, die Goldammer, den Mittagsvogel, der sein Lied singt, wenn die Lerchen schon verstummt ist und die Eule noch kein "Uhu" gesagt hat.

Die innere Uhr misst uns unsere individuelle Zeit zu, die äußeren Uhren zwingen uns die kollektive Zeit auf.
Medizinisch relevant wird die Sache spätestens dann, wenn wir gezwungen sind, dauernd unter dem Dikat der äußeren Zeit gegen unseren Chronotyp, gegen die innere Uhr zu leben. Das macht krank, nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Und wenn wir dann erst krank sind, ist es wieder die innere Uhr, nach der sich die Therapie der Krankheit richten sollte:
Denn so, wie die Aktivität des Organismus unter dem Regime der inneren Uhr schwankt, so schwanken auch seine Stoffwechselprozesse, so schwankt seine Empfänglichkeit für medikamentöse oder physikalische Therapien.

Dies Wissen um den rechten Zeitpunkt in die Medizin zu tragen, vorbeugend und heilend: Das ist das Ziel des Dr. Senckenbergischen Chronomedizinischen Instituts.